Ein Auftragsmord für Erich Mielke
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GESCHICHTE: Ein Auftragsmord für Erich Mielke
Ausstellung zum Fall des an der Grenze von der Stasi erschossenen Michael Gartenschläger
POTSDAM - Es begann mit Rock 'n' Roll und endete mit einem gewaltsamen Tod: Im Mai 1976 wurde Michael Gartenschläger bei dem Versuch, eine Sprengfalle der innerdeutschen Grenzanlage zu demontieren, von einer Sondereinheit der Stasi erschossen. Dass der Ursprung seines Aufbegehrens gegen die SED-Diktatur in der Rock'n'Roll-Musik lag, zeigt die Wanderausstellung „Michael Gartenschläger – Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland“, die ab heute im Potsdamer Landtag zu sehen ist.
Mit zahlreichen Ausstellungstafeln, Ton- und Videodokumenten sowie verschiedenen Exponaten versuche die Ausstellung „das politische Leben von Michael Gartenschläger zu zeigen“, sagt Ausstellungsleiter Rainer Potratz von der „Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn“. Das beginnt mit Gartenschlägers Begeisterung für Rock 'n' Roll.
Im Herbst 1960 hatte der damals 16-Jährige gemeinsam mit einigen Freunden in seiner Heimatstadt Strausberg einen Fanclub für den westdeutschen Rock 'n' Roll-Musiker Ted Herold gegründet. Als die Volkspolizei nach einigen Monaten davon erfährt, wird der „illegale“ Club 1961 kurzerhand aufgelöst und verboten.
Detlef Grabert, ebenfalls Strausberger und ein Jahr älter als Gartenschläger, erinnert sich gut: „Die hatten in dem alten Stall von Michaels Vater Poster aufgehängt und da tanzen geübt, um die Mädchen zu beeindrucken. Der Michael war ein ganz normaler Junge“, sagt Grabert. Politisch sei das nicht gewesen.
Nach dem Verbot des Clubs ändert sich das. Als Protest gegen die Abriegelungen der Sektorengrenzen und dem Übergang nach Westberlin, malen Gartenschläger und seine Freunde im August 1961 kritische Parolen an Strausbergs Hauswände und zünden einen alten Heuschober an. Kurz darauf werden sie von der Stasi wegen „staatsgefährdender Propaganda und Hetze“ verhaftet.
Interessant daran sei vor allem das damalige Motiv der Jugendlichen, sagt Ausstellungsleiter Potratz. Der Widerstand sei daraus erwachsen, dass ein Jugendlicher darin eingeschränkt wurde, seine Musik zu hören. „Die wollten wieder nach Berlin fahren können, um dort ihre Filme zu sehen und eben ihre Musik zu hören.“
Nach seiner Verhaftung durch die Stasi wird Gartenschläger in einem Schauprozess zu „lebenslanger Zuchthausstrafe“ verurteilt. 1971 kauft die Bundesrepublik ihn schließlich frei. Während der zehnjährigen Haft schreibt er zahlreiche Briefe, die jedoch von der Zensur abgefangen werden. Heute sind sie Teil der Ausstellung. „In diesen Briefen kann man nachvollziehen, wie aus dem jugendlichen Rock 'n' Roll-Fan allmählich ein politisierter Mensch wurde“, sagt Potratz.
Gartenschläger lässt sich nach seiner Abschiebung nach Westdeutschland in Hamburg nieder, setzt seinen Widerstand gegen die DDR-Obrigkeit aber fort. Von 1972 bis 1976 ist er als Fluchthelfer aktiv und hilft insgesamt sechs Menschen, in den Westen zu kommen. Im März 1976 baut Gartenschläger eine Sprengfalle vom Typ „SM-70“ vom ersten Metallgitterzaun der DDR-Grenzanlage ab und präsentiert sie der Öffentlichkeit.
Nach einer zweiten erfolgreichen Demontage drei Wochen
später, befiehlt Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit
der DDR, Festnahme oder Vernichtung des Täters.
Eine Sondereinsatzkompanie der Stasi
legt sich an der Grenze auf die Lauer.
Am ersten Mai 1976 wird Gartenschläger bei dem
Versuch, eine „SM-70“ zur Detonation zu bringen,
von der Sondereinheit erschossen.
Gartenschlägers Leiche wird anschließend als unbekannte
Wasserleiche auf dem Schweriner Waldfriedhof beerdigt.
Die Ausstellung wird heute 2.Juni 2009 um 12 Uhr
im Blauen Salon des Landtages Brandenburg von
Landtagspräsident Gunter Fritsch eröffnet.
Neben Kurator Rainer Potratz wird dort auch der
Zeitzeuge Detlef Grabert sprechen, dessen
Initiative es zu verdanken ist, dass die
Ausstellung nun in Potsdam zu sehen ist.
Die Ausstellung
„Michael Gartenschläger – Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland“
ist vom 2. Juni bis einschließlich 4. Juli im Blauen Salon (Haus 4)
des Landtages Brandenburg, Am Havelblick 8, in Potsdam zu sehen.
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr, 8:00 bis 17:00 Uhr.
Eine Anmeldung ist nicht nötig, der Eintritt ist frei.
(Von Jan Mölleken)
Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de
,.-
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, 02.06.2009, 00:58 ![in Board-Ansicht öffnen [Board]](img/board_d.gif)
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, 12.08.2009, 20:29
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