Tom Moak's little Forum

zurück zur Homepage
Forums-Ausgangsseite

log in | registrieren

zurück zum Forum
Board-Ansicht  Mix-Ansicht

Alte Seilschaften sind ein Problem

verfasst von Tom Moak(R), 13.09.2009, 05:00

[image]

Trinkhallengespräch

Alte Seilschaften sind ein Problem


Martin Montag referiert über Machenschaften der Stasi / Klares Nein zu Rot-Rot

Bad Salzungen - "Die Besetzung der Burg" hieß das Thema des letzten ökumenischen
Trinkhallengesprächs, das auf breites Interesse und Gesprächsbereitschaft stieß.


[image]
Pfarrer Martin Montag.
F.: ma
Bild:



Gemeint ist die Besetzung des Staatssicherheitsgebäudes in Suhl am 4. Dezember 1989. Damals hatten sich mehr als 3000 Menschen in einer Halle versammelt. "Die aufgebrachten Leute wollten verhindern, dass "die Stasi-Mitarbeiter Akten unwiederbringlich vernichten", sagt Referent Martin Montag. Er selbst war damals Pfarrer in Zella-Mehlis und habe die Geschehnisse unmittelbar erlebt. "Wir wollen jetzt hier rein", hätten die Menschen vor der Burg gerufen. Seit dieser Nacht sei alles recht schnell gegangen. Einen Tag später blockierten Bus-Fahrer das Stasi-Gelände, sodass keine Unterlagen abtransportiert werden konnten. Stasi-Mitarbeiter hätten dieses Aufbegehren mit Worten wie: "Ihr werdet euch noch in eurem eigenen Blut wälzen" kommentiert.

Am 6. Dezember wurde eine Kommission zur Auflösung der Stasi gebildet. Sie setzte sich zusammen aus Vertretern der Blockparteien, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und aus "Leuten, die das Ende der Stasi wollten." Montag war als Vertreter der Kirche Mitglied dieser Kommission. Er berichtet von seiner ersten Begehung des Stasi-Gebäudes: "Das MfS ist das Schild und Schwert der Partei", sei eine Losung an der Wand gewesen, die ihm sofort ins Auge gefallen sei. Sie verdeutliche, dass die SED sowohl Verantwortungsträger als auch Auftraggeber für alle Stasi-Machenschaften gewesen sei. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sei als Instrument und Handlanger der Partei zu verstehen, mit dem das Volk kontrolliert werden sollte. Es habe sogar Pläne für Internierungslager gegeben. Auf Listen seien Personen vorgemerkt worden.

"Wir wollten die Akten erhalten", sagt Montag und gesteht auch eigene Fehler ein. So gelang es Stasi-Mitarbeitern Dokumente zu vernichten, aus denen hervorgeht, wer als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das MfS tätig war. "Inzwischen sind sie aber zu 100 Prozent rekonstruiert", so Montag.

Durch das Auditorium geht ein Raunen, als der Referent von Stasi-Plänen berichtet, Suhl-Goldlauter zur größten MfS-Haftanstalt zu machen. In den Plänen seien Fenster ebenso wenig wie eine natürliche Belüftung vorgesehen gewesen. "Man hätte also alles Mögliche in die Zellen hineinlassen können", gibt er den Zuhörern zu denken.

Erstaunt sei er angesichts der primitiven technischen Mittel der Briefkontrolle gewesen. Die Stasi-Mitarbeiter durchleuchteten nur bestimmte Personen. So habe allein der flüchtige Blick eines Mitarbeiters darüber entschieden, ob ein Brief genau gelesen werde oder uninteressant sei.

Nachdem die Länderparlamente installiert waren, endete die Arbeit der Kommission. Seine Mission, sich für die Opfer der Stasi-Verbrechen zu engagieren, gab Montag nicht auf. Am 2. Oktober 1990 wurde das Bürgerkomitee des Landes Thüringen gegründet, dessen Vorsitz er bis heute begleitet. Wiedergutmachung ist das Ziel und Verantwortliche sollen ihre Strafe erhalten. Um dafür einen geeigneten rechtlichen Rahmen zu finden, habe man geschaut, wie man 1945/46 bei der Aburteilung der Nazi-Verbrecher vorging. So sei das Gesetz zur Nichtverjährung von SED-Verbrechen entstanden. Auch 20 Jahre nach der Wende kämen Leute, die ihre Rehabilitierung noch nicht beantragt hätten. Montag betont "eine strafrechtliche, berufliche und verwaltungstechnische Rehabilitierung muss immer möglich sein".

Machenschaften der Stasi würden bei den Zwangsaussiedlungen in Sperrgebieten besonders deutlich. Mit äußerster Brutalität seien ganze Familien aus ihrer Heimat gerissen worden. Im neuen Ort habe die Stasi Gerüchte gestreut, dass Verbrecher in die Nachbarschaft zögen. So seien viele Familien zerstört worden. Diese Stasi-Opfer seien noch zu wenig berücksichtigt worden, so Montag.

Dass in der öffentlichen Diskussion eine Fokussierung auf die IMs stattfindet, sieht Montag kritisch. Denn so werde zu wenig über die hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter geredet, die in der Regel ihrer Strafe entgingen. "Doch wir können uns damit trösten, dass wenigstens die beiden Erichs im Gefängnis waren", sagt Montag, "auch wenn das nur ein schwacher Trost ist." Dennoch seien die Seilschaften als problematisch einzustufen. Das heißt, die Täter befördern auch nach der Wende ihre Karrieren gegenseitig und bringen sich in wirtschaftlich abgesicherte Verhältnisse.

Die Auseinandersetzung mit den Stasi-Verbrechen lassen Montag die Brücke zur aktuellen politischen Lage schlagen. In einem Brief an SPD-Landesvorsitzenden Christoph Matschie habe er vor einer Koalition mit der Linken gewarnt. Die Linke sei Rechtsnachfolger der SED und stünde zudem nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Bei einer möglichen rot-roten Koalition sieht Montag "die Aufarbeitung von Opfergeschichten extrem gefährdet." So sei "Matschie ein Enkel der Opfer" und "Ramelow ein Enkel der Täter". Außerdem habe der Bundestag festgestellt, dass Gregor Gysi ein IM gewesen sei, so Montag. "Es verbietet sich als Christ radikal zu wählen, weder links noch rechts.", ist Montags Credo.

Der Vortrag, der unter der Jahresüberschrift "Gesegnete Unruhe" steht, stieß bei den Zuhörern auf große Diskussionsbereitschaft. Die Initiatoren zeigten sich mit der Resonanz zufrieden. Achim Storz findet "solche Veranstaltungen wichtig, damit sich das alles nicht wiederholen kann."

ma


Quelle: http://www.freies-wort.de

,.-

antworten
 


gesamter Thread:

zurück zum Forum
Board-Ansicht  Mix-Ansicht
Tom Moak's little Forum | Kontakt
2135 Postings in 688 Threads, 5 registrierte User, 10 User online (0 reg., 10 Gäste)
powered by my little forum  ^