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Tom Moak(R)

21.06.2009, 19:08
 

Stasi-Spitzel in Weiß ohne Gewissenskonflikte

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15. Forschungsheft über Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums
für Staatssicherheit im Gesundheitswesen des Kreises Gardelegen


Stasi-Spitzel in Weiß ohne Gewissenskonflikte

Von Wolfgang Schulz

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In der ehemaligen Poliklinik in Gardelegen (Foto von 1994) waren mehrere Zahnärzte tätig.

Mindestens 17 Stasi-Spitzel haben im Gesundheits- und Sozialwesen
des Kreises Gardelegen im ehemaligen Bezirk Magdeburg spioniert.

Ulrich Mielke ist ihnen in seinem 15. Forschungsheft im
Auftrag des Bürgerkomitees Sachsen-Anhalt auf der Spur.

» Am 22. Juni 2009 stellt er seine Forschungsergebnisse in Magdeburg am Moritzplatz vor.


Magdeburg. Sie nannten sich " Professor Ernst ", " Karl Förster ", " Ulf Steinfeld " oder " Julius " und waren als Ärzte, Schwestern und Verwaltungsangestellte im einstigen Kreiskrankenhaus Gardelegen, im Landambulatorium Zichtau und anderen Gesundheitseinrichtungen tätig. Ihr gemeinsames Merkmal : Als Inoffizielle Mitarbeiter ( IM ) des Ministeriums für Staatssicherheit ( MfS ) verrieten sie Patienten, Freunde und andere Mitmenschen an die DDR-Geheimpolizei. Einige von ihnen haben ein kleineres Sündenregister, andere haben ihre ärztliche Schweigepf icht gebrochen und wieder andere haben dafür gesorgt, dass unschuldige Menschen ins Gefängnis gekommen sind. Das alles ist mit Stasi-Akten belegt, die der Autor des 15. Forschungsheftes, Ulrich Mielke, bei der Birthler-Behörde einsehen konnte.

Nachdem Mielke die " Bearbeitung " der Stasi-Spitzel an der Medizinischen Akademie Magdeburg und den Bezirkskrankenhäusern abgeschlossen hat, beschäftigt er sich mit den einzelnen Kreisen des ehemaligen Bezirkes Magdeburg. Im Band 14 waren es die Spitzel aus dem Gesundheits- und Sozialwesen des Kreises Osterburg, nun also ist der Kreis Gardelegen abgeschlossen, Stendal ist bereits in Arbeit. In dem aktuellen Band sind außerdem neueste Erkenntnisse aus den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg sowie über Spitzel im Bezirks-Hygiene-Institut Magdeburg und in der Kreis-Hygieneinspektion Magdeburg enthalten.


17 IM aus dem Kreis Gardelegen im Visier

" Richtig abschließen kann man die Forschungsarbeit über eine Einrichtung oder einen Kreis nie ", sagte Mielke in einem Gespräch mit der Volksstimme. In der Außenstelle Magdeburg der Stasi-Unterlagenbehörde kämen regelmäßig neue Erkenntnisse zutage, die entsprechend bearbeitet und in dem jeweils neuesten Forschungsheft veröffentlicht würden.

Der Band 15 enthält Akten über 17 IM aus dem Kreis Gardelegen, von denen acht Human- bzw. Zahnmediziner sind. Drei Kreisärzte werden als Stasi-Spitzel enttarnt, ebenso ein Kreiszahnarzt. Mielke nennt sie mit Klar- und Decknamen, zeigt ihre Verpf ichtungserklärungen und schildert anhand der Akten die Spitzeltätigkeit.


Wichtigster Informant war " Professor Ernst "

Zu den Zuträgern aus dem Kreiskrankenhaus Gardelegen gehörte der IM " Professor Ernst ", ein Facharzt für Chirurgie. " Er war nicht der einzige, aber wohl der wichtigste Informant für das MfS im Kreiskrankenhaus ", stellt Mielke fest. Der heute 65-jährige Arzt hatte in Magdeburg studiert und operierte ab 1969 im Kreiskrankenhaus. 13 Jahre lang bis Ende 1989 informierte er, so die Stasi selbst, " über Probleme und Konflikte unter Ärzten und dem medizinischen Personal, die eventuell motivbildend für einen ungesetzlichen Grenzübertritt " sein konnten.

Der Oberarzt war sich für nichts zu schade. In einem Bericht vom 7. 3. 1980 schreibt IM " Professor Ernst " : Dem Auftrag des MfS entsprechend habe ich am heutigen Tage während der Mittagszeit die Handtasche der ( geschwärzt ) untersucht. Ich stellte dort ein Schlüsselbund fest, woran sich drei normale Bartschlüssel befanden. " Es folgt eine ausführliche Beschreibung des weiteren Tascheninhaltes.

Wie aus den Unterlagen zu entnehmen ist, spitzelte der IM im MfS-Auftrag auch bei mindestens einer Reise in die Bundesrepublik, wofür ihm 200 DM Reisekosten mit auf den Weg gegeben wurden. Konspirative Hausdurchsuchungen und den Einbau von " Wanzen " durch die Stasi in Wohnungen von Kollegen unterstützte der Oberarzt, indem er Arbeitskollegen bis 19 Uhr beschäftigte.

1983 war in einer Beurteilung über IM " Professor Ernst " zu lesen : " Im Rahmen seiner objektiven Möglichkeiten erklärt er sich bereit,
aktive Handlungen im Interesse des MfS durchzuführen, was er im Verlauf der inofflziellen Zusammenarbeit mehrmals unter Beweis gestellt hat, ohne daß sich bei ihm Gewissenskonfikte zeigten. "

Dazu Mielke : " Gewissenskonflikte können sich nur zeigen, wenn man auch ein Gewissen hat. "

Als einen " besonders heimtückischen Inoffiziellen Mitarbeiter " bezeichnet Mielke den IM " Karl Förster ". Dahinter verbarg sich ein 1934 geborener Diplompsychologe, der zunächst als Psychologe und Psychotherapeut in der Poliklinik Magdeburg-Mitte und ab 1981 in der Ambulanz Hopfenstraße in Gardelegen tätig war. Er spionierte bis zum 7. November 1989 hauptsächlich Patienten aus.

" Es liegt Patientenverrat in erheblichem Ausmaß vor ", stellt Mielke fest, obwohl der IM als Psychologe genau wie ein Arzt der Schweigepflicht unterlag. " Wenn er es für notwendig hielt, verriet er jeden aus eigenem Antrieb oder auf Anforderung von Seiten des Führungsoffziers an die Geheimpolizei ", heißt es im Forschungsheft. Die Akten nennen zahlreiche Vorgänge, durch die Personen der Stasi ausgeliefert wurden. Dafür erhielt IM " Karl Förster " Geldzuwendungen in Höhe von mehreren tausend Mark bzw. Präsente.

" Wenn ein Psychologe die Seele eines Menschen durchforscht und dessen Gedanken und Gefühlswelt an die Stasi verrät, so liegt für mich hierin eine besondere Heimtücke ", so Mielke.
" Mir fehlen die Worte ", sagte er. Ihm sei beim Lesen der Akte IM " Karl Förster " übel geworden.

Nicht viel besser ergangen sein dürfte es dem Autor mit der Akte IM " Ulf Steinfeld ". Der heute 58-jährige Facharzt für Sozialhygiene war zunächst Kreisarzt in Kalbe / Milde und dann in Gardelegen. Die Besonderheit bei ihm war, dass er schriftliche Berichte nicht anfertigte, er berichtete mündlich. Auch lehnte er materielle Zuwendungen ab. " Gegen die Annahme einer Flasche Weinbrand ( 38 Mark ) am 19. 12. 1988 hatte er allerdings nichts einzuwenden ", geht aus den Akten hervor. Die Stasi urteilte über " Ulf Steinfeld " : " Der IM hat durch eine gute und diziplinierte Arbeit dazu beigetragen, daß der OV ( Operativer Vorgang, ws ) mit Haft abgeschlossen werden konnte. " Anders herum gesagt : Der Kreisarzt trug dazu bei, dass die im OV bearbeitete Person ins Gefängnis kam.


Kleines Ambulatorium mit großem Zuträger

Das Landambulatorium Zichtau im Kreis Gardelegen wurde über viele Jahre von einem Allgemeinmediziner geleitet, der als IM " Berger " auf der " Grundlage der Überzeugung ohne schriftliche Verpfichtung " geworben wurde. Die Verpfichtung sollte nachgeholt werden, was aber nie geschah, dafür lieferte der IM massenhaft Berichte. Der inzwischen verstorbene Arzt gehörte zu den " Fußballfans ", die von der Stasi für Spiele des 1. FC Magdeburg gegen westdeutsche Mannschaften ausgewählt wurden. Dafür erhielt er dann auch noch Geld. In seinen Berichten informierte er die Stasi über die Absicht von Patienten, in den Westen abzuhauen, wenn diese ihm das anvertraut hatten. IM " Berger " unternahm selbst sehr gern größere Reisen mit dem eigenen Pkw. " Auch während dieser Reisen löste er operative Probleme ", freute sich die Stasi. " Niemand ahnte, dass der Leiter eines kleinen Landambulatoriums ein sehr effektiver Stasi-Spitzel war ", schreibt Mielke.

Ahnungslos war die DDR Bevölkerung auch über ein Phänomen, das Mielke mit dem IM " Joachim Schuster " beschreibt. Der heute 67-Jährige war mehrere Jahre als sogenannter Führungs-IM tätig und betreute bis zu zehn Spitzel.

Berufich war der FIM als Hygiene-Ingenieur in der Kreis-Hygieneinspektion Magdeburg ( KHI ) tätig und hatte dabei auch mit Ulrich Mielke zu tun, der von 1980 bis 1990 die KHI in einer Zusatztätigkeit unterstützte. Unter der Hand sei schon damals geflüstert worden, so Mielke heute, dass der leitende Hygieniker " bei der Stasi war ", aber : " Es hat fast 20 Jahre gedauert bis zur Enttarnung dieses intelligenten und umtriebigen Stasi-Spitzels ", schreibt Mielke.

Der IM " Joachim Schuster " war 1980 zielgerichtet geworben worden, um ihn als Führer für andere Spitzel einzusetzen. Zu den IM seines Netzes in Magdeburg gehörten der Direktor der Poliklinik Mitte Tränsberg, die Oberschwester der Poliklinik Nord und der Direktor der Poliklinik für Stomatologie des Stadtbezirkes Mitte. Dazu kamen sieben weitere IM, von denen bisher nur die Deck-, aber noch nicht die Klarnamen vorliegen.

Der Stadthygieniker war für die Funktion als FIM geeignet, weil er, so die Stasi, seinen Tagesablauf variabel gestalten und seine dienstlichen Termine überwiegend selbständig planen und koordinieren konnte. " Seine Funktion im Arbeitsbereich und die zu ihm gehörenden Pf ichten legendieren seine Abwesenheit im Arbeitsbereich wie auch im Freizeitbereich seiner Familie gegenüber ", begründete das MfS die Werbung. IM " Joachim Schuster " nutzte für seine Spitzeltätigkeit sowohl den Dienst-Pkw als auch seinen " Trabi ".


Der Führungs-Spitzel hinterließ 800 Seiten

Von dem FIM sind vier dicke Akten mit insgesamt über 800 Seiten " zurückgeblieben ". Darin auch enthalten, dass er für die Stasi schon in seiner Werbungsphase den Wohnungsschlüssel von einem Mieter unter der Legende beschaffte, dass eine Schädlingsbekämpfung in den Räumen notwendig sei. Den dann vermutlich angefertigten Nachschlüssel benutzte die Stasi, um sich konspirativ Zutritt zu der Wohnung zu verschaffen. Für seine mannigfaltige Spitzeltätigkeit erhielt der IM 46 Geldzuwendungen im Gesamtwert von 5237,60 Mark.

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Copyright © Volksstimme.de 2009
Dokument erstellt am 19.06.2009 um 07:01:21 Uhr
Erscheinungsdatum 19.06.2009 | Ausgabe: mdx



Quelle: http://www.volksstimme.de


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Tom Moak(R)

24.06.2009, 17:02

@ Tom Moak
 

Ulrich Mielke stellt 15. Heft über Stasi-Spitzel vor

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Sachsen-Anhalt

Im Auftrag des Bürgerkomitees Sachsen-Anhalt

Mielke stellt 15. Heft über Stasi-Spitzel vor





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Der Autor Ulrich Mielke stellte sein 15. Forschungsheft
über Stasi-Spitzel im Gesundheitswesen vor.

Foto: Wolfgang Schulz

Magdeburg ( ws ). Vor rund 150 Zuhörern hat am Montagabend Ulrich Mielke
in der Magdeburger Gedenkstätte am Moritzplatz das 15. Forschungsheft
über Stasi-Spitzel im Gesundheitswesen des Bezirkes Magdeburg vorgestellt.
Schwerpunkt der jüngsten Veröffentlichung im Auftrag des Bürgerkomitees
Sachsen-Anhalt bildet der ehemalige Kreis Gardelegen.

In dem Heft werden auf mehr als 600 Seiten 17 Inoffizielle Mitarbeiter ( IM )
genannt, die in Gesundheitseinrichtungen des Kreises Patienten und Mitarbeiter
ausspioniert haben. Darüber hinaus werden weitere Spitzel aus Magdeburg,
Stendal und anderen Orten enttarnt.


Der 70-jährige Mielke, früher als Biologe an der Medizinischen Akademie /
Universitätsklinikum tätig, forscht seit 1994 in Stasi-Akten.

In Arbeit ist der Band 16 über IM im Gesundheitswesen des Kreises Stendal.

Sachsen-Anhalt: Über den Schaden, den IM angerichtet haben


Quelle: http://www.volksstimme.de

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Tom Moak(R)

24.06.2009, 17:16

@ Tom Moak
 

Über den Schaden, den IM angerichtet haben

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15. Forschungsheft zur Stasi vorgesellt

Über den Schaden, den IM angerichtet haben

Wolfgang Schulz



Magdeburg. Die Frage wirkte ein wenig deplatziert angesichts einer 600
Seiten umfassenden Dokumentation, um die es an diesem Montagabend
in der Magdeburger Gedenkstätte am Moritzplatz ging.

Ein ehemaliger Chefarzt im Kreiskrankenhaus Gardelegen stellte sie, nachdem Ulrich Mielke einige einführende Worte zu seinem 15. Forschungsband über die Untaten der Stasi im Gesundheitswesen des Kreises Gardelegen gesagt hatte.

"Wissen Sie", so fragte der Mann, "ob ein Schaden entstanden ist?"

Er sei erschüttert darüber, dass zwei seiner engsten Mitarbeiter als Stasi-Spitzel gewirkt hätten. Gerade der als IM "Professor Ernst" enttarnte Oberarzt habe als sehr vertrauenswürdig gegolten. Man habe immer gut zusammengearbeitet. "Welchen Schaden haben die angerichtet?", fragte er noch einmal.

Die Antworten ließen nicht auf sich warten. Sie kamen von Jörg Stoye, Leiter der Magdeburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde, von Mielke und von Stasi-Opfern unter den Zuhörern und waren übereinstimmend von der Aussage geprägt, dass Stasi-Spitzel Schaden angerichtet haben. "Die Inoffiziellen Mitarbeiter waren Teil des politischen Systems, das auf Angst aufgebaut war", sagte Stoye. Viele Menschen, die in die Fänge der Stasi geraten waren, hätten heute noch Angst.

In dem Forschungsheft würden nicht die fachlichen Leistungen von Ärzten und anderen Mitarbeitern des Gesundheitswesens kritisiert, sondern deren Moral. Im Kreis Gardelegen habe es im Gesundheitswesen 30 operative Personenkontrollen gegeben, an denen IM beteiligt waren und die auch zu Verhaftungen geführt hätten.

IM trug zur Verhaftung eines Menschen bei Mielke konnte aus den Stasi-Akten einen ganz konkreten Fall zitieren. Dabei handelte es sich um den IM "Ulf Steinfeld", einen Facharzt für Sozialhygiene, der als Kreisarzt tätig war. Am 21. Juli 1987 schrieb ein Oberstleutnant der Stasi: "Der IMS hat durch eine gute und disziplinierte Arbeit dazu beigetragen, dass der OV mit Haft abgeschlossen werden konnte." Der Operative Vorgang (OV) wurde also ganz offensichtlich mit der Verhaftung eines Menschen beendet.


Der sehr vertrauenswürdige Oberarzt, so Mielke weiter, habe Handtaschen seiner Mitarbeiter durchsucht, Schlüssel entwendet und durch die Übertragung von Aufgaben bis nach 19 Uhr dafür gesorgt, dass die Stasi in Ruhe Wohnungen "verwanzen" konnte. "Das ist nicht im Sinne der ärztlichen Berufsauffassung", so Mielke.

Eine erschütternde Antwort auf die Frage nach dem Schaden gab Marietta Jablonski. Die querschnittsgelähmte gebürtige Magdeburgerin war mit ihrem Mann extra zu dieser Veranstaltung aus Hannover angereist. Die heute 62-Jährige war 1971 wie ihr Mann unschuldig verhaftet worden. Die Stasi warf ihnen vor, in Briefen gegen den Einmarsch der Sowjets in Prag und gegen Missstände in der DDR protestiert zu haben.


Ärzte lieferten Details für eine Erpressung

Wie aus den Akten hervorgeht, haben mehrere Ärzte der Medizinischen Akademie Magdeburg und aus den Pfeifferischen Stiftungen als IM detailliert über ihren Gesundheitszustand der Stasi berichtet. Mit dem Wissen, dass die gelähmte Frau eine langjährige Haft nicht lebend überstehen würde, erpresste die Stasi ein Geständnis von dem Ehemann. Siegfried Jablonski nahm alle Schuld auf sich und wurde wegen staatsfeindlicher Hetze zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Bundesregierung kaufte ihn später frei. 1992 wurde das Ehepaar rehabilitiert.


Die Geschichte sei aber immer noch nicht zu Ende, berichtete Marietta Jablonski. "Am 28. November 2008 hat mich mein ehemaliger Vernehmer von der Stasi angerufen und sich beschwert, dass ich die Unwahrheit sagen würde." Er habe sie zum Schweigen bringen wollen und mehrmals gesagt, dass er heute noch Waffenträger sei.

Eine Brücke zur Gegenwart schlug auch eine Mitarbeiterin aus dem Maßregelvollzug Uchtspringe. "Bei uns arbeitet der im Forschungsheft genannte IM, Ulf Steinfeld‘, wie sollen wir mit ihm umgehen?", fragte sie. Er sei auch als Schöffe am Amtsgericht tätig und habe erklärt, er werde juristisch gegen die Veröffentlichungen in dem Forschungsheft vorgehen.


Das könne er gern machen, antwortete Mielke. Er habe lediglich aus den Stasi-Akten zitiert. "Die Wahrheit ist immer konkret", so Mielke.

In diesem Zusammenhang wurde darüber diskutiert, dass heute immer noch viele ehemalige Spitzel in Amt und Würden seien. "Diese Leute gehören nicht in die erste Reihe", sagte Hannelore von Baehr, Ratsmitglied in Gardelegen. Sie werde deshalb erneut einen Antrag stellen, damit alle Gemeinderäte auf eine eventuelle Stasi-Vergangenheit überprüft werden. "Leider bin ich mit so einem Antrag schon mehrfach gescheitert", sagte sie.


Unterstützung fand sie bei Stoye.

"IM gehören vom Grundsatz her nicht in den öffentlichen Dienst", sagte er.


Viele, die in der DDR anständig waren und unter der Stasi gelitten
hätten, seien heute arbeitslos. Dafür würden frühere IM vom Staat
bezahlt. "Das ist ein Unding", so Stoye.


Für die Unterstützung der Forschungsarbeit von Mielke warb dessen ehemaliger Kollege Klaus Kramer. Aus gesundheitlichen Gründen könne er nicht mehr mitarbeiten. Die Aufklärung durch Mielke sei aber so wichtig. "Es ist als ob man in einem Sumpf stochert, man findet keinen Grund", sagte Kramer. Deshalb müsse die Arbeit fortgesetzt werden.



Sachsen-Anhalt: Mielke stellt 15. Heft über Stasi-Spitzel vor

[ document info ]
Copyright © Volksstimme.de 2009
Dokument erstellt am 24.06.2009 um 08:27:23 Uhr
Erscheinungsdatum 24.06.2009



Quelle: http://www.volksstimme.de

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Tom Moak(R)

04.07.2009, 15:47

@ Tom Moak
 

Nach Veröffentlichung Stasi-Arzt suspendiert

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Nach Veröffentlichung des Forschungsheftes

Stasi-Arzt suspendiert



Magdeburg ( ws ). Oberarzt Hans-Michael S. aus dem Maßregelvollzug
Uchtspringe wurde mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert.

Das bestätigte gestern das Sozial- und Gesundheitsministerium.


Der Mediziner hatte bis Ende 1989 als Inoffzieller Mitarbeiter ( IM ) " Ulf Steinfeld "
für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet. " Die Tätigkeit für das MfS hat
er verschwiegen "
, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Deswegen laufe ein arbeitsrechtliches Verfahren gegen den Arzt.

IM " Ulf Steinfeld " gehört zu den 17 Stasi-Spitzeln aus dem Gesundheitswesen des ehemaligen Kreises Gardelegen, die im 15. Forschungsheft des Bürgerkomitees Sachsen-Anhalt enttarnt worden sind.

Nach den Akten der Stasi-Unterlagenbehörde soll der Mediziner, der in Magdeburg studiert hat und viele Jahre als Kreisarzt tätig war, als Spitzel " eine gute und disziplinierte Arbeit " geleistet haben.

Seine Berichte, so heißt es in den Akten, sollen dazu geführt haben, dass ein Mensch inhaftiert wurde.

Bei der Vorstellung des Forschungsheftes hatte eine Mitarbeiterin aus dem Maßregelvollzug Uchtspringe besorgt beim Bürgerkomitee angefragt, wie sich die Belegschaft gegenüber dem enttarnten Stasi-IM verhalten solle.

Dabei wurde auch bekannt, dass der Arzt als Schöffe am Amtsgericht tätig ist.

Quelle: http://www.volksstimme.de


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